Dienstag, 8. April 2008

Finale

So, das war er also, der Tag des Fluges und vorerst letzter Aufenthalt in Thailand. Gut, er ist noch nicht ganz vorbei. Nach thailändischer Zeit ist zu dieser Zeit zwar schon Abend, nach (kommender) deutscher Zeit jedoch nicht einmal 4 Uhr nachmittags. Wer nun grob mit meinem Flugplan vertraut ist, kann sich denken, dass ich diese Zeilen über den Wolken schreibe. Und der Weg hierhin war schon einmal nicht einfach.

Zuallererst war der gestrige Tag natürlich seltsam. Ein merkwürdiges Gefühl ein Traum gehe nun zu Ende begleitete mich ja schon einige Tage. Doch nach Fertigstellung - das ist ein bisschen gemogelt - meiner Studienarbeit, als ich nicht mehr so ganz wusste, was ich denn nun tun sollte, spitzte es sich zu. Nach einem Gang durch die Firma, wo ich mich mit viel Bye Bye, Thank You und Winke Winke verabschiedete, fühlte ich mich seltsam leer, ohne dieses schlechte Gewissen, gerade nicht zu arbeiten, am Schreibtisch zu sitzen. Um so mehr freute ich mich über die Erlaubnis des Produktionsdirektor, schon früher nach Hause gehen zu können.

Dort angekommen ruhte ich mich kurz aus und putzte dann mein Zimmer. Obwohl sie es gewiss noch einmal putzen würden, wollte ich einen halbwegs sauberen Eindruck hinterlassen. Ein bisschen Säubern war stellenweise auch bitter nötig, aber da will ich im eigenen Interesse mal nicht ins Detail gehen. Es folgten Telefonate und eine abschließende Einkaufstour, während derer ich allen möglichen Kram kaufte, den ich bis zuletzt hatte warten lassen, z.B. Süßigkeiten und Getränke. Vor dem Family Mart um die Ecke mit seiner Personenwaage vor der Tür kam mir auch die grandiose Idee, meinen dicken Koffer dorthin zu schleppen und zu wiegen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Knapp über 30 Kilo brachte das gute Stück auf die Waage. Falls sie ein Auge zudrückten, konnte ich ihn komplett mitnehmen ohne etwas auszupacken, denn extra Kilos sind ja unheimlich teuer. Und wenn schon - P'Win, der Produktionsdirektor, würde ja am nächsten Tag mit mir zum Flughafen fahren, um kurz vor meiner Maschine Richtung Chiang Mai zu starten. Wir hatten schon abgesprochen, dass ich ihm etwas von meinem Übergepäck geben könnte, falls nötig.

Leider entwickelte sich die Lage am Flughafen dann ungünstig. Zuallererst einmal war ich ja im Vorfeld schon sehr besorgt gewesen, weil er, gewappnet mit thailändischer Lässigkeit, recht spät losfahren wollte. Wegen der nötigen Vorlaufzeit von 90 Minuten für meinen Check-
In konnte ich ihn doch noch eine halbe Stunde runter handeln. Würden wir in einen Stau kommen, bliebe so wenigstens noch eine halbe Stunde bis zum Ablauf der Frist. Für meine Verhältnisse zu wenig.

Um so mehr war ich erfreut, schon zehn Minuten vor der geplanten Abfahrtszeit den Fahren wartend vor meinem Haus vorzufinden. Und desto beunruhigter war ich, als wir trotz der verfrühten Abfahrt von meinem "es war einmal"-Apartment doch eine gute Viertelstunde zu spät bei P'Wins Haus abfuhren. Er hatte an jenem Morgen wohl nicht ganz fit, wofür er natürlich nichts konnte. Dennoch war ich beunruhigt und natürlich sehr aufgeregt.

Wir kamen dann eine gute halbe bis drei viertel Stunde vor Ablauf der Frist am Flughafen an, wo wir uns sogleich, nachdem ich kurz seien Bruder und ihre Eltern begrüßt hatte, trennten und die entsprechenden Schalter aufsuchten. Ich war so glücklich, als der Koffer mit seinen 30,8 Kilo anstandslos akzeptiert wurde. Dann die Frage nach dem Handgepäck. Nein nein, ich habe nur diese kleine, leichte Tüte und meine Tasche. Tasche bitte wiegen. Angst. 15,1. Oooh, no, Sir, can not. 15 kilo! Too much! For hand luggage, 7 to 8 kilos. Not more! Scheiße. Gott sei Dank gab sie mir noch 45 Minuten, um das überflüssige Zeug loszuwerden und mir dann mein Ticket abzuholen.

Also ran ans Telefon, P'Win Bescheid sagen. Was, schon hinter den Kontrollen?! Er sollte doch warten!! Und jetzt??? Panik. Andrew anrufen. Er würde es nicht mehr rechtzeitig, aber hatte eine Idee. Wieso nicht einem anderen Fluggast, der nicht so viel Handgepäck hat, ein paar Kilos überlassen? Gut, also Tasche auf und aussortieren. Die Schwergewichte flogen als erstes raus. Diese sind die beiden großen Packungen Tigerbalsam, die allein schon einiges auf die Waage brachten, und drei Bücher: mein Koran, "Die Energie-Tore des Körpers öffnen" (ein übrigens sehr gutes Qigong-Buch) und ein Wälzer über Computernetzwerke, den ich eigentlich gedacht hatte hier durchzuarbeiten. Nächstes Problem: kaum noch Fluggäste da, weil ich so spät war. Einen, der nur einen kleinen Rucksack hatte, sprach ich an, Reaktion skeptisch, "Was denn für Bücher?". Koran. Alarmglocken schrillen. Was danach kam, war glaub ich egal. Angst. Er sei sich nicht sicher, ob man so etwas ausführen dürfe. Nervosität. Entschuldigung. Weg. Ich gratuliere hiermit unseren Medien und unserer Regierung zur erfolgreichen Konditionierung des durchschnittlichen Bürgers im Kampf gegen den Terror. Und damit mich.

Jetzt meinerseits Panik. Oh nein. P'Win anrufen. Er sei sich nicht sicher, ob wir uns noch treffen könnten, aber er wolle jemanden zum Gate schicken. Wo ist das?! Ab zur Information. Nein nein, das ginge nicht. So etwas ginge nicht. Noch mal P'Win anrufen. Was? Doch, das ginge. Die beiden seien ja schon da. Weg erklären lassen, schneller Blick auf die Uhr, irgendwie viel zu spät. Stress. Vorher noch an einem anderen Check-In-Schalter die Tasche erneut wiegen lassen. Noch knapp über 10. Scheiße. Ooh, so much. The size is okay, but the weight. 8 kilo maximum, Sir. Panik. The size is ok. Kurzer Plausch mit ihrer Kollegin. Akzeptiert. Erleichterung. Ab zum Eingang für Binnenflüge. Würde das klappen? Keiner da. P'Win anrufen. Panik. Ich bin Moslem. Einen Koran kann ich nicht einfach wegschmeißen! Das geht nicht!! Erleichterung: P'Wins Patensohn. Ich blicke skeptisch zu den Sicherheitskräften und reiche ihm einfach die Tüte über die Absperrung. Keine Reaktion. Erleichterung. Jetzt zur Passkontrolle, aber flott.

Dort war ich endlich an der Reihe, immer noch wahnsinnig aufgeregt von den jüngsten Ereignissen. Aber jetzt würde ja alles glatt gehen. Oder? Nein. Unsicherheit bezüglich meines Passes. Ich werde zur Seite gewunken. Was ist los? Mein Visum sei nicht verlängert worden. Ich sei zu lange in Thailand geblieben. Die Höchststrafe: 400 Euro. Ich setze mich vor den Tisch der Frau, die solche Fälle bearbeitet. Alles klar, Höchststrafe. Zahlen mit Karte? Vergiss es. Bar. Kein Bargeld. Panik. Verwirrung. Darf ich zum Geldautomaten? Kein Ding. Ab dafür. So viel hatte ich nicht mehr auf dem Konto, aber die VISA-Karte war ja mit dabei. Gott sei Dank hatte ich auch die PIN für Barabhebungen in der Tasche. Dann doch die EC-Karte benutzt. Sie prüften nach Erfahrung eh nicht die verfügbare Summe, sondern diese ging erst einige Tage später ab und zog das Konto notfalls ins Minus. 20.000 Baht auf der Hand zurück zum Schalter. Vorher kurz wieder mit P'Win telefoniert. Verwunderung. Nein, für sie war das, was die Firma für mich gemacht hat, keine gültige Verlängerung. Aber nach Erhalt der Quittung erstmal ab zum Flugsteig. Auf dem Weg Andrew anrufen und ihm von dem Vorfall erzählen. Verwunderung. Meinerseits: Sorge. 400 Euro hauen als Student ganz schön rein. Er gibt jedoch Entwarnung. Ich solle nach Ankunft die Dokumente scannen und per Email schicken. Wir würden schon eine Lösung finden. Erleichterung.

Nächste Station: Sicherheitscheck. Alles wird durchleuchtet, soweit keine Probleme. Ich werde wieder zur Seite gerufen. Ich soll meine Tasche öffnen. Darin: zwei große Koran-Ausgaben mit wunderbar großer Schrift, sehr angenehm zu lesen und ein ideales Geschenk für die Familie. Die für mich zuständige Frau nimmt entnimmt ein Exemplar und fragt mich, was das sei. Ein Buch. Blöde Frage. Sie ist mit der Antwort zufrieden und legt es wieder rein. Zahnpasta ist im Plastikbeutel, sonst alles fest, auch die Schokolade. Kein Problem. Die kleinen Brausen für neben's Klo - sprich Badezimmer-Accessoires - bewirken ein Stirnrunzeln. Sie sind noch eingepackt. In Deutschland haben wir so etwas nicht, darum wollte ich es unbedingt mitbringen. Ein Lächeln. Gewonnen.

Dann im Wartebereich noch mal aufs Klo. Kabinen besetzt, warten. Der Typ von vorher kommt rein, schaut mich nicht eine Sekunde an. Es ist ihm unangenehm. Ob es ihm peinlich ist, weil er nicht helfen konnte, oder weil er immer noch Angst hatte - ich weiß es nicht. Mir auch egal. Ich kann ihn ja verstehen. Er tut mir leid. Zwischen Flughafen und Flugzeug noch zu Hause Bescheid sagen, dass ich drin bin.

Endlich im Flugzeug. Die Zeit vergeht. Und jetzt? Jetzt sind es keine zwei Stunden mehr bis zur Ankunft, das Wiederauffrischen der Erinnerungen vom heutigen Morgen hat mich wieder total aufgeregt, so dass das Herz schneller schlägt, und ich kann es kaum erwarten, wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Heute Abend das wunderbare Essen meiner heiß und innig geliebten Frau zu genießen. Nein, heute kein Ravis. Du kochst so gut. Und noch eine Vielzahl an Dingen wieder genauso wie früher erleben und doch mit ganz neuen Augen sehen. Glücklich darüber sein, dass ich den Tigerbalsam abgeben musste, weil ich ihn als Creme bei der Sicherheitskontrolle wahrscheinlich hätte wegschmeißen müssen. Erleichtert, weil P'Win und Andrew beide zu verschiedenen Zeiten sehr bald nach Deutschland kommen und meine zurückgelassenen Sachen mitbringen, so Gott will. Alles ist gut. Wehe die Bahn hat Verspätung.

Freitag, 4. April 2008

Thailändische Hochzeit


Vorletztes Wochenende - anscheinend habe ich mir angewöhnt, mit meinem Bericht zwei Wochen hinterherzuhinken - waren wir auf einer thailändischen Hochzeit. Das war witzig. Und interessant. Und langweilig. Aber ich fange mal ganz vorn an.

Gegen viertel vor sieben wurden wir vor unserem Apartment abgeholt. Ich weiß auch nicht, warum ich im Van als größter letztendlich auf der Notbank ganz hinten gesessen habe. Jedenfalls fuhren wir im Anschluss ein bis anderthalb Stunden durch die Pampas. Hier sieht ja echt alles gleich aus. Doch das ist in Deutschland nicht anders, wenn ich es mir mal genauer überlege.

Endlich angekommen beobachteten wir unsere Arbeitskollegin, die uns, ebenfalls mit vollem Auto, gefolgt war, beim seitlich Einparken. Also wenn die hier eins nicht drauf haben, ist es Einparken. Seitlich geht da gar nichts, so dass das Auto hinterher manchmal fast einen halben Meter vom Bürgersteig entfernt steht. Außerdem braucht man auf jeden Fall ordentlich Platz nach vorn und hinten, sonst passt es nicht. Im rückwärts Einparken sind sie ganz groß, aber auch nur, wenn am hinteren Ende der Parklücke so ein Betonpoller auf dem Boden sitzt, an dem die Hinterräder schön andocken können, damit man nicht mit der Stoßstange an die Wand knallt. Wie dem auch sei, nach einigen Minuten war es dann jedenfalls geschafft und wir begaben uns zum eigentlichen Ort des Geschehens. Das dachte ich zumindest.

Auf der anderen Straßenseite ging es in eine kleine Gasse, die nach ein paar Metern direkt in eine Hochzeitsgesellschaft mündete, die vergnügt an Tischen saß oder in Grüppchen verteilt in der Gegend stand. Wir gingen bis zum Ende durch und setzten uns in die Nähe der übergroßen Boxen. Mein Lieblingsplatz. Ich mag's doch so gern laut.



Die Mönche waren schon da und sprachen Gebete, die durch die Lautsprecher für alle hörbar übertragen wurden. Nicht dass es jemanden gejuckt hätte, denn man stand heiter rum und quatschte. Das Paar befand sich zu jener Zeit gemeinsam mit den Mönchen in einem kleinen Raum, der auch für weitere Zeremonien herhalten sollte.



Nachdem die Mönche ihr Bestes für das Paar getan hatten, gingen sie auch recht flott wieder. Wir auch. Da war ich etwas verwundert. Wie sich herausstellte, fuhren wir allerdings nur ein paar Meter - man läuft hier NIE, wenn es sich nur irgendwie vermeiden lässt - die Straße runter, um uns zum Hochzeitszug zu formieren. Der Bräutigam war laut Martina angeblich auch da, jedoch habe ich selbst ihn nicht gesehen. Nachdem wir uns also in Reih und Glied und mit Tellern bewaffnet aufgestellt hatten, ging es zurück, zu Fuß, wahrscheinlich unter Ermangelung geeigneter Alternativen. In einigen hundert Jahren gibt es für solche Fälle in Thailand bestimmt allerorts Laufbänder, könnte ich mir vorstellen. Oder die Leute haben so kleine Düsen am Hintern, die sie überall hin tragen. Das wirkliche witzige am Hochzeitszug lass ich aber mal fürs Video. Boxen an.





Danach warteten wir. Und warteten. Und warteten. Währenddessen saßen einige alte Leute mit dem Paar im kleinen Raum und beteten, wie es aussah. Die Litanei dröhnte ohrenbetäubend aus den Lautsprechern, wenn nicht gerade schreckliche Musik lief. Meine Laune sackte etwas ab. Das sieht man auf den Fotos nicht, weil ich mich doch so gut verstellen kann. Daumen nach oben. Irgendwann zwischen jetzt und später schritt noch der Bräutigam, der sich von der Braut getrennt hatte, die nun in dem kleinen Häuschen wartete, langsam durch die Mitte seiner Freunde. Diese versperrten ihm den Weg mit Goldketten. Was genau das zu bedeuten hat, weiß ich nicht, aber ich hab es glaub ich ganz gut aufgenommen.



Nach einer halben Ewigkeit bildete sich wieder eine Schlange vor dem Häuschen. Es war an der Zeit, das Paar zu beglückwünschen. So zog auch ich mir brav die Schuhe aus, betrat das kleine Gebäude, schüttete jedem der beiden etwas Wasser aus einer Muschel über die Hände und murmelte mir dabei irgendetwas in den nicht vorhandenen Bart. Abschließend - HA! wie kann man sich täuschen - wurden noch einmal Gruppenfotos gemacht und wir verließen die Gesellschaft.



Nächste Station: Schule um die Ecke. Wieder mit Auto. Dort war ein Haufen Tische aufgebaut, jeder bekam ein paar Wachsschweine geschenkt und man setzte sich hin, um zu essen und fröhlich zu sein. Mir fiel es mit fortschreitender Zeit immer schwerer, obwohl das Essen wirklich lecker war, denn am anderen Ende der Halle befand sich eine große Bühne. Oh Gott, war das laut. Unglaublich laut. Nach einiger Zeit hatte ich Kopfschmerzen, ungelogen. Vielleicht lag es auch daran, dass die Gäste selbst gesungen haben. Die Thais singen doch sowieso so komisch hoch, weinerlich und schnulzig. Aber nachdem ich mich gerade für das Mittagsgebet verdrück hatte und damit fertig war, klingelte auch schon mein Handy. Wir wollten jetzt fahren. Sollte die Schule die letzte Station der Hochzeit gewesen sein?



War sie. Im Anschluss war ja noch ein Besuch des Water Market geplant. Martina und ich rechneten damit, einen dieser auf dem Fluss befindlichen Märkte zu besuchen, wo man, selbst auf einem Boot, die Händler auf Booten abklappert. Allerdings heißt was wir meinten Floating Market und nicht Water Market. Der Water Market ist eigentlich nur ein Market am Water. Nichts besonderes, aber trotzdem hübsch. Der eine oder andere dürfte mittlerweile eine dort hergestellte Postkarte von mir erhalten haben.

Gegen Nachmittag machten wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg, erschöpft aber doch glücklich, wieder etwas Neues von Thailand gesehen zu haben. Die Bilder zum Ausflug beginnen hier.

Si Racha vs. Bochum

Wetter in Si Racha

Wetter in Bochum

Montag, 17. März 2008

Wochenende in Bangkok

Vorletztes Wochenende war ich endlich mal in Bangkok, zum ersten Mal so richtig. Nachdem wir, d.h. ich und Martina, die andere Praktikantin, es geschafft hatten uns ein Ticket von Si Racha in die Hauptstadt zu kaufen und uns unserem Ziel näherten, erschien das nächste Hindernis. Wo müssen wir eigentlich raus? Ich hatte in letzter Sekunde noch eine Kollegin anrufen können, um nach der besten Haltestelle für die Khao San Road zu fragen, wo wir geplant hatten die kommenden Nächte unsere Unterkunft zu nehmen.

Leider war ich mit dem Anruf etwas zu spät dran und wir mussten uns an einer Haltestelle hauruck entscheiden: aussteigen oder weiterfahren? Wie sich später herausstellte, hatten wir von Anfang an den falschen Bus genommen, der auf genau die falsche Seite der Stadt fährt. Also mussten wir eine ziemlich lange Taxifahrt nehmen, um doch noch zum Ziel zu kommen. Unerfahren fragte ich direkt beim Einsteigen nach dem Preis, was bei Motorcycle Taxis und Tuktuks üblich ist, einem beim Taxi aber nur höhere Preise beschert. Die bessere Frage lautet, ob das Taxameter funktioniert. Sonst zahlt man im Vergleich zu Einheimischen als (in den Augen der Taxifahrer) reicher Tourist nämlich ordentlich drauf. So kostete uns die Fahrt (zugegeben immer noch günstige) 200 Baht, also 4 Euro.

An der  Straße angekommen stellte sich die nächste Herausforderung. Welches Hotel ist das richtige? Ich rief wieder einen Arbeitskollegen an, der mir leider nicht weiterhelfen konnte, und wir machten uns selbst auf die Suche. Gott sei Dank, wir wurden direkt fündig. Im Nana Inn bezahlt man 400 Baht pro Nacht im Einzelzimmer mit Bad und Klimaanlage. Doppelzimmer kosten 600 oder 700, wenn ich mich recht erinnere. Wie wir später erfahren sollten, hätten wir lieber noch mal bei unseren Thai-Freunden Bescheid sagen sollten, dass wir sicher untergekommen waren. Dann hätte eine Kollegin aus ihrer Sorge heraus Andrew nicht um 3 Uhr morgens in Australien wach geklingelt, dass sie Angst um uns habe. Das tat uns natürlich leid, zeigte aber eindrucksvoll die fürsorgliche Seite der Kultur.



Nach einer angenehmen ersten Nacht in Bangkok machten wir uns dann als erstes auf zu frühstücken. Man schaute mich äußerst blöd an und es dauerte auch scheinbar eine Ewigkeit, bis ich der Bedienung vermittelt hatte, dass ich tatsächlich nur Reis mit Ei wünsche. In seiner Einfachheit ging der Wunsch jedoch über das Fassungsvermögen der Angestellten, und so erhielt ich (auch leckeren) gebratenen Reis mit Ei und Gemüse.

Unsere nächste Station hieß Jatujak, der größte Markt in Bangkok, auf dem sich so gut wie jeder Touristenwunsch nach Mitbringseln erfüllen lässt. Dort habe ich richtig zugeschlagen, möchte aber vom Markt selbst nicht zu viel erzählen, sondern lieber die Bilder sprechen lassen.











So endete die erste Hälfte des Tages, als wir wieder völlig durchgeschwitzt und für sagenhafte günstige 100 Baht mit dem Tuktuk in der Khao San Road waren. Dort trennten wir uns fürs erste, um ein wenig zu schlafen und uns frisch zu machen. Am Abend sollte es weitergehen.

Martina wollte gern traditionell thailändisches Theater sehen, also liefen wir nach Chinatown. Die Tuktuk-Fahrer an der Khao San erschienen uns als solche gierigen Halbsabschneider, dass wir lieber zu Fuß gingen. Zuerst waren wir nicht sicher, ob wir es finden würden, aber als wir die Suche gerade aufgeben und jemanden nach dem Weg fragen wollte, sprach uns ein Chinese in - so habe ich es in Erinnerung - perfektem Englisch an. Wie sich herausstellte, konnte man von unserem Standpunkt aus das blau beleuchtete Royal Theatre sogar schon sehen.

Khon Royal Theatre EintrittskarteGerade drinnen war eine Entscheidung zu treffen. Wir hatten das Theater gefunden und glücklicherweise sollte auch innerhalb weniger Minuten eine neue Aufführung beginnen. In meiner Vorstellung warteten zwei Stunden unverständliches Theater, da auf Thai, das zudem noch 1.000 Baht kosten sollte. Kein Pappenstiel, war ja das Budget für Bangkok begrenzt. Aber Martina wollte sehr gern rein, und es war die einzige Chance, es an jenem Wochenende zu besuchen. Überhaupt zu besuchen, was mich betrifft. Also gab ich mir einen Ruck, weinte eine Krokodilsträne beim Bezahlen und - fand's toll. Es gab sogar englische Untertitel! Allerdings kam mir stellenweise der Eindruck, dass die Übersetzung langen Blablas mittels einen Satzes ein wenig ausgelassen hat. Den Rückweg traten wir wieder zu Fuß an.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Café, wo wir das eine oder andere Getränk probierten, ging es dann wieder aufs Zimmer. Der nächste Tag sollte ja frisch begonnen werden. Leider war die zweite Nacht nicht so angenehm wie die vorige. Meine Nachbarn entschlossen sich mitten in der Nacht noch eine Party zu feiern, wie es sich anhörte. Martina meinte sogar gehört zu haben, wie sie sich aus den offenen Badezimmern über die Etagen hinweg lauthals unterhielten. Das Gelächter und Gekreische jener Nacht, das etappenweise bis zum nächsten Morgen weiterging, ist jedenfalls eine Schattenseite des Besuchs. Aber wer sich billig auf der Khao San einquartiert, sollte mit so etwas rechnen.

Am Sonntag, dem letzten Tag, wollten wir dann als erstes noch eine Kunstgalerie besuchen und im Anschluss vielleicht die Aufführung des Theaters vom Vorabend mit Marionetten. Letzteres haben wir nicht mehr geschafft, denn die Reise zur Galerie uferte zur wahren Odyssee aus. Es schien so einfach zu beginnen. Wir hielten ein Tuktuk an, nannten unseren Bestimmungsort und fragten nach dem Preis. 200 Baht. Das war ok. Also rein ins Gefährt und ab die Post. Das erste Mal wurden wir nach nur wenigen Minuten stutzig, als uns der Fahrer nach dem Weg fragte. Es folgte glaube ich über eine Stunde erfolglosen Suchens, das uns in der Nähe unseres Bestimmungsortes immer wieder eine große Straße rauf und runter führte. Als die Schicht des Fahrers endete und er uns, peinlich berührt, in ein Taxi überführen wollte, lehnte ich dankend ab und zahlte noch einen kleinen Aufschlag für seine Bemühungen. Armer Kerl.

Dann ging es zu Fuß weiter. Auf unserem Weg zur Galerie, die Teil der Bangkok University ist, kamen wir an einem interessanten kleinen Markt vorbei, den ganz bestimmt kein Tourist besucht, aßen im McDonald's und sahen eine weniger von Ausländern frequentierte Seite der Stadt. Letztlich schafften wir es nach einigen Stunden doch auf den Campus, der übrigens sehr schön und im Vergleich zu Dortmund auch viel schöner ist, und standen vor verschlossenen Türen. Nach ein paar Fotos war das dann auch das Signal, uns wieder auf den Rückweg nach Si Racha zu machen.

Insgesamt ein sehr gelungenes und erlebnisreiches Wochenende. Die Fotos beginnen hier.

Faules Ei

Videoegg, über die ich so glücklich war, schließt seine Pforten für den privaten Nutzer und konzentriert sich demnächst völlig auf Werbung. Das heißt jetzt konkret, alle meine hochgeladenen Videos verschwinden Ende Mai und sind dann bis auf weiteres auch nicht mehr auf diesem Blog anzuschauen. Ich habe die Videos natürlich noch alle auf der Festplatte und lade sie bei Gelegenheit woanders hoch. Nur zur Information.

Samstag, 1. März 2008

Das Ende naht

Meine Zeit in Thailand neigt sich mit nunmehr unter 40 verbleibenden Tagen dem Ende zu. Wie in dieser Welt so vieles in scheinbar endlosen Schleifen immer wieder von neuem beginnt, so kommt heute schon ein neuer Praktikant an. Ich freue mich darüber, denn vielleicht ist es angenehme Gesellschaft und wir können einmal - oder auch zweimal - gemeinsam Bangkok erkunden. Ich muss noch so viele Mitbringsel kaufen. Aber ich hoffe auch für sie, dass sie es hier leichter haben wir als ich. Momentan sieht es eher nicht so aus.

In etwas über einem Monat sind sowohl Andrew als auch ich aus Si Racha verschwunden. Dann wird hier kein Deutscher mehr vor Ort sein. Ihre Wohnung wird sie in dem Zuge wahrscheinlich in Andrews altem Haus nehmen, das noch weiter vom "Stadtkern" entfernt liegt, wo kein 7/11 direkt um die Ecke liegt und einen auch die Motorcycle-Taxis nicht unbedingt sofort sehen, sobald man das Haus verlässt. Wenn ich daran denke, wie mir selbst der aus Deutschland gewohnte soziale Umgang gefehlt hat - die Kultur hier ist einfach anders - hoffe ich, dass sie entweder anderen Anschluss findet oder ihre Bedürfnisse anders aussehen.

Ich mache mir auch langsam Gedanken, was ich an diesem Land wohl vermissen werde. Hauptsächlich fallen mir, wenn ich versuche darüber nachzudenken, jedoch Dinge in Deutschland ein, auf die ich mich freue. Dinge, die ich nicht vermissen werde. Unten stehend also eine kleine Aufzählung dieser ganzen Gedanken.

Was ich vermissen werde

  • Der meist unkomplizierte Weg durch den Tag mit einem Lächeln. Das fängt beim Guten Morgen an und geht bis in peinliche oder unangenehme Situationen, für die allein schon ein Lächeln ausreicht, sie bedeutungslos hinter sich zu lassen.
  • Damit hängt auch das, wenn auch nur scheinbare, Gefühl zusammen, dass man einem allerorts freundlich begegnet.
  • Dass man sich auf der Arbeit meist auf der Stelle Zeit nimmt für mich. Es ist ein schönes Gefühl, ernst genommen und für wertvoll erachtet zu werden.
  • Die Komplimente.
  • Die lockere Art. Es muss nicht immer alles so ernst sein.
  • Wie versucht wird einen aufzumuntern, wenn man mal traurig aus der Wäsche guckt.
  • Die Sonne.
  • Meine Kollegen. Selbst die, die ich weniger mag.
Was ich nicht vermissen werde
  • Auf der Straße von Wildfremden angequatscht zu werden, nur weil ich weiß bin.
  • Auf der Straße von Wildfremden angequatscht zu werden, nur weil ich weiß bin.
  • Den allgegenwärtigen Lärm. Im Großraumbüro. Auf der Straße. In der Wohnung.
  • Den allgegenwärtigen Dreck. Überall Staub und Asche.
  • Die allgegenwärtigen Insekten. Insbesondere Ameisen und Mücken. Die riesengroßen Kakerlaken sind noch irgendwo witzig.
  • Die erdrückende Hitze.
  • Den Gestank der häufig offenen Kanalisation. Bei den teilweise sehr starken Regenfällen hier geht es aber anscheinend nicht anders.
  • Die Schwierigkeit, nach islamischen Regeln erlaubtes Essen aufzutreiben.
  • Hockeklos ohne Papier und Spülung.
  • Die schreckliche Thai-Musik.
  • Dieses unterwürfige, mir widerwärtige Gebuckel vor Höhergestellten.
  • Das niemals in Frage stellen der allgemeinen Ordnung, insbesondere der bedingungslosen Liebe gegenüber dem König. Alle sagen, wie viel Gutes der König getan hat. Das stelle ich niemals in Abrede. Aber dass Kritik in dieser Richtung nicht nur Tabu, sondern sogar illegal ist, widerspricht mir. O-Ton: "Was lernt ihr bei den Pfadfindern?" "Den König zu lieben."
  • Den Teil, den ich von mir hier zurückgelassen habe.
Worauf ich mich freue
  • Meine Frau. Meine Familie. Meine Freunde. Meine Bekannten. Meine Landsleute. Meine Sprache. Meine Kultur. Mein Land.
  • Straßennamen.
  • Öffentliche Verkehrsmittel und Fahrpläne. Auch wenn die S-Bahn-Haltestelle Universität die nächsten 2 Monate wohl dicht ist.
  • Autofahren.
  • Einkaufen.
  • Spazierengehen.
  • Tai Chi im Park.
  • Parks.
  • Deutsches Futter.
  • Unsere Wohnung. Unsere Nachbarn.
  • Sauberes Wasser. Auch aus der Leitung.
  • Computer von denen ich weiß, das Internet funktioniert.
  • Meine Frau. Meine Familie. Meine Freunde. Meine Bekannten. Meine Landsleute. Meine Sprache. Meine Kultur. Mein Land.

Samstag, 2. Februar 2008

Der Fundamentale Attributionsfehler und andere schöne Dinge

In einer Pädagogikveranstaltung lernte ich neulich von der "kausalen Attribution" in der Ehe.
Die pädagogische Psychologie geht nähmlich davon aus dass, Menschen stets nach kausalen Gründen für ihr eigenes und das Verhalten von anderen suchen. Dabei tendiert der Mensch i.d.R. dazu, eigenes Fehlverhalten auf externale Gründe zurückzuführen (Z.B. war man ja nur müde, und konnte deshalb sein Referat nicht gut halten) und fremdes Verhalten erst einmal auf internale Gründe zurückzuführen (Die Person kann halt keine Referate halten); ein fundermentaler Fehler, der je nach Kulur mehr oder weniger verbreitet sein soll. Das ganze verläuft nach dem Motto "You fell, I was pushed".

In der Ehe, so Fincham, Bradbury, Arias, Byrne und Karney, kommt es dabei auf die momentane Beziehung an, ganz nach dem Motto "GZSZ". In guten Zeiten wird positives Verhalten des Ehepartners auf internale Gründe zurückgeführt, negatives hingegen auf externale Gründe. Das heisst, wenn es gerade gut klappt, darf der Mann ruhig mal genervt nach der Arbeit nach Hause kommen, denn die Frau wird sein Verhalten entschuldigen und sich sagen, dass er eben viel Stress hat. Bringt der Mann ihr hingegen Blumen mit, wird sie es als Zeichen seiner Zuneigung sehen und nicht misstrauisch ein schlechtes Gewissen hinter seiner Handlung vermuten.
In schlechten Zeiten wird positives Verhalten des Ehepartners auf externale Gründe zurückgeführt - die Blumen hat der Mann dann vielleicht nur mitgebracht, weil am selben Abend Freunde zu Besuch kommen, und er mit einem frischen Strauss auf dem Tisch seiner Frau demonstrieren will, dass bei ihm immer alles super läuft. Verhält sich der Partner jedoch negativ, so liegt es natürlich an ihm selbst, an seiner selbstsüchtigen Art und mangelnden Zuneigung zu seinem Partner.

Aber nicht nur diese im Studium gewonnen Erkenntnisse lassen sich auf das normale Leben übertragen. die pädagogische Diagnostik zum Beispiel, reiht gleich eine Kette von Diagnosefehlern aneinander, die nur all zu sehr an menschliche Fehlinterpretationen im Alltag erinnern.
Diagnose besteht über all da, wo ein Problem oder eine Fragestellung auftritt, woraufhin Informationen gesammelt und ausgewertet werden und danach eine Prognose gestellt wird.


  • Der Fehler "global perception" zeigt, dass: Wahrnehmung=Erwartung+Realität
    Das, was man wahrnimmt oder vermutet, ist immer ein Kompromiss aus dem wahren Wert und der voreingenommenen Meinung.

  • Der "Fehler des ersten Eindrucks" besagt, dass der erste Eindruck stets gestützt und kaum in Frage gestellt wird.

  • Der "Primacy-Recency-Fehler" führt dazu, dass der erste und der letzte Eindruck besonders im Gedächtnis bleiben.

  • Durch den "Halo-Effekt" beruht das Gesamturteil einer Person auf einem wesenlichen, hervorstechenden Merkmal.

  • Und der "Logical-Error" führt dazu, dass logische Zusammenhänge oft ähnlich beurteilt werden, auch wenn sie in der Realität nicht übereinstimmen.


Dies sind nicht die einzigen Diagnosefehler, sollten aber vorerst genügen, um zu untersuchen, ob nicht nur Psychologen- und Medizinerdiagnosen davon gefährdet sind...

Aus meiner Erfahrung betreiben (besonders weibliche) Beziehungspartner ständig Diagnose. Man bemerkt eine kleine Unstimmigkeit oder gar ein großes Problem in der Beziehung, fragt sich woher es kommt, versucht es einzuordnen und zu erklären, und erstellt ein Gutachten mit Prognoseaussicht ("Aha, ich bin zu selbstsüchtig, deshalb geht momentan alles ein bisschen schief, wobei wir eine gute Chance der Aufrechterhaltung einer schönen Beziehung haben, wenn ich das und das ändere und er da und darauf eingeht").
Problematisch wird es nur, wenn der psychologische Übereifer eines Partners in die Fehler-Fallen tappt. Ein Mensch der eine belastete Elternbeziehung erleben musste, geht vielleicht mit einer größeren Misserfolgserwartung in die Ehe, als ein "Friede-Freude-Eierkuchen-Glückseliger" (wenn es sowas gibt).
Aber vielleicht kann man die Diagnosefehler auch ausnutzen? Wenn ein Mann zum Beispiel zu Anfang einen wunderbaren Eindruck gemacht hat, und er am nächsten Hochzeitstag der Zuckersüßeste ist, hat er laut "Primacy-Recency-Fehler" gute Chancen, dass die Frau die Krisen zwischendurch vergisst. Wenn der Mann dazu noch attraktiv ist, wird dieses hervorstechende Merkmal die Gesamtbewertung laut Halo-Effekt positiv beeinflussen. Ist der Mann noch dazu Akademiker oder gar Psychologe, geht die Frau schnell davon aus, dass er eben auch schlau sein muss und ihre Probleme versteht, auch wenn es nicht den Anschein macht - Logical-Error.

Alles in allem kann man froh sein, wenn der Partner nicht dem Milde-Strenge-Fehler zum Opfer fällt, und entweder zu gut oder zu streng über den anderen urteilt. Und wenn ich mich an die Worte meines Onkels erinnere, dass Frauen nur dann ein Elefantengedächtnis haben, wenn es um die negativen Erinnerungen geht, dann kann man das ganze Philisophieren von eben sowieso in die Tonne kloppen und zum Eheberater gehen... Problematisch wäre es nur, wenn dann der Hawthorne-Effekt auftritt, bei dem die Beobachteten ihr Verhalten ändern, einfach nur, weil sie sich beobachtet fühlen.

Fazit: Man spare sich das Geld für den Psychologen, beobachte und interpretiere am besten heimlich und gehe beim Ehepartner immer vom Besten aus.
(So, nun werde ich zumindest diese Aspekte in der bevorstehenden Klausur nicht so schnell vergessen ;-) )